Alpenüberquerung 2.0

Unterwegs auf der Alpentraversale vom Königssee zu den Drei Zinnen – ein absolutes Wander-Highlight für unsere motivierte Gruppe von 12 Frauen, bestens betreut von Bergführerin Amanda

Nach der klassischen Route auf dem E5 im letzten Jahr haben wir uns dieses Jahr für die nicht so stark begangene Strecke weiter östlich entschieden. Startpunkt war am Königssee. Schon bei der Überfahrt nach Sankt Bartholomä begann es zu regnen. Das sollte sich an diesem Tag auch nicht mehr ändern. Mehr oder weniger wasserdicht verpackt ging es entlang der Watzmann-Ostwand durch die „Sau“-gasse (Heißt wirklich so!) hinauf zum Kärlingerhaus. Der Name der Gasse hätte inzwischen allerdings auch perfekt zum Wetter gepasst. Bis auf die Haut durchnässt kamen wir in der Hütte an.

Der Trockenraum war schon überfüllt, und so blieb uns am nächsten Morgen nichts anderes übrig, als noch sehr feuchte Kleidung und Schuhe anzuziehen und durchs Steinerne Meer zum Riemannhaus zu wandern. Die Landschaft war sehr beeindruckend und, da es wieder zu regnen begonnen hatte, war die Illusion, sich am bzw. im Meer zu befinden, nahezu perfekt. Die Stimmung in unserer Gruppe war trotzdem gut und als es beim Abstieg nach Maria Alm sogar aufhörte zu regen, wurde sie noch besser. Die anschließende Übernachtung auf der Trauner Alm war fast schon märchenhaft. In unserem Schlafraum unter dem Dach standen zwar nicht sieben sondern zwölf alte mit rot-weiß karierter Bettwäschen bezogene Holzbetten, trotzdem hätte es uns nicht sehr verwundert, wenn Schneewittchen plötzlich durch die Tür getreten wäre.

Am nächsten Morgen ging es bergauf zur Pfandlscharte. Auch mit dem Wetter ging es bergauf, sahen wir heute doch zum ersten Mal die Sonne, was mit großem Jubel quittiert wurde. Noch etwas Neues hielt diese Etappe für uns bereit: in zum Teil „weglosem“ Gelände mussten wir selbst die beste Aufstiegsroute finden. Während des Abstiegs zum Glocknerhaus, wo wir auch übernachteten, eröffnete sich zum 1. Mal der Blick auf den Großglockner, mit 3789 m der höchste Gipfel Österreichs.

Vorbei am Margaritzen-Stausee hinauf zur Stockerscharte und über den Wiener Höhenweg erreichten wir am nächsten Tag um die Mittagszeit die Salmhütte. Die dort verzehrte leckere Süßspeise führte bei manchen (fast) zum Kaiserschmarren-Koma. Trotzdem schafften alle den nächsten Anstieg zur Pfortscharte sowie auch den Abstieg zur Lucknerhütte, die für ihre ganz besondere Gastfreundschaft und hervorragende Küche bekannt ist.

Nach einem Bustransfer ins Defreggental am folgenden Morgen schwebten wir mit Gondel und Sessellift hinauf zur Mooseralm. Die Strecke bergauf zur Ochsenlenke, bergab zum Degenhornsee und dann wieder bergauf aufs Große Degenhorn erforderte Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Auf einigen Abschnitten mussten wir schon auch mal Hand am Fels anlegen. Die tolle Aussicht vom Großen Degenhorn, mit 2946 m der höchste Punkt der gesamten Überquerung, war der Lohn für unsere Mühen. Der Abstieg endete direkt an der Unterstaller Alm, wo es leckere selbstgebackene Kuchen gab. Übernachtung war im Gasthaus Raiffeisen in Innervillgraten, wo wir die schon fast luxuriösen Doppelzimmer mit eigener Dusche sehr genossen.

Die vorletzte Etappe führte von Kalkstein am Talschluss des Villgratentals durch blühende Almwiesen hinauf zum Pfanntörl. Noch ein kurzer Aufstieg über den Grat und das Toblacher Pfannhorn war erreicht. Hier verdeckten noch Wolken die Sicht in die Ferne. Von der Bonner Hütte aus, wo wir eine ausgedehnte Pause einlegten, lag dann aber einschließlich der Drei Zinnen das ganze Dolomitenpanorama vor uns. Nach dem Abstieg ins Tal, einem kurzen Taxitransfer und einem halbstündigen Aufstieg erreichten wir die Dreischusterhütte, das heutige Tagesziel.

Am letzten Tag dann das ganz große Finale! Um 3:30 Uhr Aufbruch zum dreistündigen Aufstieg zu den Drei Zinnen. Ausgerüstet mit Stirnlampen und dank des klaren Sternenhimmels war der doch recht anspruchsvolle Weg gut zu erkennen. Genau als die ersten Sonnenstrahlen die Gipfel der Drei Zinnen zum Leuchten brachten, erreichten wir den Aussichtspunkt. Untermalt von „What A Wonderful World“, von Amanda auf der Mundharmonika gespielt, wird uns dieser Moment unvergesslich bleiben. Dank des frühen Aufbruchs hatten wir noch die Möglichkeit, von der Drei Zinnen-Hütte aus durch ein altes Tunnelsystem aus dem 1. Weltkrieg durch den Paternkofel zumindest ein Stück weit auf den Paternkofel zu gelangen. Die anschließende Pause am See nützen die meisten für uns für ein herrlich erfrischendes Bad. Badesachen hatten wir keine dabei, aber es gibt ja immer einen Plan B. Zum Abschluss dieser erlebnisreichen Woche stand uns nun noch der Abstieg ins Fischleintal zur Fischleinbodenhütte bevor. Dort stießen wir mit Apérol-Spritz auf die gelungene Woche an, bevor uns der Bus zurück an den Königssee brachte.

Strecke: 90,22 km, Aufstieg: 7.399 hm, Abstieg 8.096 hm … was für ein Erlebnis!

Friederike Schlögl und Ingrid Bär

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