Geschichtliches
Vor 125 Jahren – Der Startschuss für den Westweg fiel in Säckingen
Die Hauptversammlung des Badischen Schwarzwaldvereins 1900 in Säckingen war ein Großereignis mit zukunftsweisender Entscheidung in der Trompeterstadt.
Tagesordnungspunkt 4 der Hauptversammlung war die „Wahl einer Kommission zur Anbahnung einer einheitlichen Höhenwegsbezeichnung.“
Eine wegweisende Entscheidung war die Berufung einer fünfköpfigen Höhenwegskommission zur Errichtung des ersten Fernwanderwegs – dem Westweg!
Bereits ein halbes Jahr später war die Pioniertat von Philipp Bussemer und Wilhelm Katz vollbracht, die gesamte Strecke von Pforzheim bis Basel, 285 Kilometer, war mit der roten Raute markiert.
In Säckingen ging es damals aufwärts, mit der Ansiedelung der Textilindustrie gab es einen Wirtschaftsaufschwung, Wohlstand und gesellschaftliches Leben gediehen. Die Einwohnerzahl um 1900 betrug ca. 4000. Die Bahnlinie Basel – Waldshut erreichte 1856 Säckingen. Säckingen war bereit für den Tourismus.
Im Jahresbericht 1900 des Säckinger Schwarzwaldvereins findet sich folgende Niederschrift über die Landesversammlung des Badischen Schwarzwaldvereins:
„Im Jahr 1900 fand in der Zeit vom 26. bis 29. Mai die Hauptversammlung des Badischen Schwarzwaldvereins hier statt und hat der Verlauf derselben und die damit verbundenen Veranstaltungen der Sektion die einheimischen und auswärtigen Teilnehmer in hohem Maße befriedigt.“ Wen wundert’s bei dem Programm!
Sonntag, den 27. Mai
Empfang der Gäste und Ausgabe der Festkarten usw.
Morgens 10 ½ Uhr: Frühschoppen mit Musik im „Schwarzen Walfisch“ (Scheffelstube)
Um 11 ½ Uhr: Hauptversammlung in der Aula des Schulhauses
Mittags 2 ½ Uhr: Festessen im großen Saale des Gasthauses „zum Schützen“ Gedeck mit einem Schoppen Tischwein 3 Mark.
Um 5 ½ Uhr: Ausflug zum Bergsee (1/2 Stunde), daselbst Huldigung des Schwarzwaldvereins für den Dichter Josef Viktor Scheffel. Bankett, italienische Nacht mit Gesangsvorträgen, Feuerwerk, Gondelkorso. Schluss im „Schwarzen Walfisch“.
Montag, den 28. Mai
Versammlung um 8 Uhr beim Schützen und beim Bad zum Ausflug über Katzenmoos, Egg, Maisenhardt nach dem Solfelsen; Frühstück daselbst 11 Uhr; Abstieg 12 ½ Uhr über Röthe und Günnenbach nach Brennet, daselbst Mittagessen um 3 Uhr im „Kreuz“.
Dienstag, den 29. Mai
Bei genügender Beteiligung Wagenfahrt durch das Murgtal nach Hottingen; Frühstück daselbst. Wanderung über das Herrischrieder Oedland, Hornberg, durch den Ewald in das Wehratal und nach Wehr, Schlußessen daselbst im „Adler“. Dauer der Wagenfahrt 2 Stunden, des Fußmarsches 4 ½ Stunden.
Der Schnellzug nach Basel wurde am Sonntag als Extrazug nach Säckingen weitergeführt.
Die Empfangskommission war eine illustre Herrengesellschaft, wie folgt:
Vorsitzender Professor Zwiegert, Ignaz Berberich jun., Oberzollinspektor Frech, Oberamtsrat Dr. Bertsch, Dr. Franz Berberich, Professor Glock, Professor Henrich, Ernst Bally, Rudolf Hüssy, Buchdrucker Mehr, Gasdirektor Henrich.
Das Säckinger Tagblatt meldet am 30. Mai 1900:
„Unter den Teilnehmern der diesjährigen Hauptversammlung des Badischen Schwarzwaldvereins befindet sich gewiss kein einziger, der nicht freudig erkannt hätte, dass Stadt und Sektion Säckingen das Beste getan haben, um ihre Gäste würdig zu empfangen und ihnen den Aufenthalt hier so angenehm wie möglich zu gestalten. Unter den Veranstaltungen, die zum Empfang der Gäste getroffen waren, fand namentlich die große Ehrenpforte allgemeine Bewunderung….Es war in der Tat ein sinnreicher Einfall, der Ehrenpforte die Gestalt eines Tunnels zu geben, wie sie in der Wehra- und Albtalstraße durch den Fels gesprengt sind, mit einer Burgruine, die an das Harpolinger Schloss erinnert, als Krönung… Weiter im Festbericht steht zu lesen: Zur Seite im Tunnel führte ein Gang in eine Hotzenstube, wo man von Hotzen und Hotzinnen mit ungeheurer Zungenfertigkeit Chriesiwasser und „Trompeterbitter“, Speck und anderer Herrlichkeiten angeboten bekam…“